Drei Tage im März

25.03.2016

 

 

Ein kleiner Reisebericht über den Besuch des Partnerprojekts in Dresden

Hirschberg 22.3.2016

Der ehemalige innerdeutsche Grenzübergang Hirschberg an der A9 weckt traurige Erinnerungen an eine Teilung Deutschlands in Ost und West, als hier oft stundenlange Zwangsaufenthalte die Weiterfahrt nach West-Berlin verzögerten. Ein einsamer Beobachtungsturm – einer von ehemals 578 entlang der Grenze- sieht heute einen unbehindert fließenden Verkehr von West nach Ost und umgekehrt. Seit dem 9. November 1989 sind nach und nach fast alle Spuren von 1265 km Metallgitterzaun, 29 km Betonmauer 71 km Hundelaufanlagen und 1339 km Kolonnenweg verschwunden.

Plauen im Vogtland 23.3.2016

Plauen war als Rüstungsstandort und Verkehrsknotenpunkt von den Alliierten als Hauptziel (primary target) erkannt worden. In der Vogtländischen Maschinenfabrik VOMAG fertigten während des Zweiten Weltkrieges rund 6.000 Menschen Panzer, Propeller für Kampfflugzeuge, Dieselmotoren und Lastwagen für die Wehrmacht. Plauen wurde deshalb seit September 1944 insgesamt 14 Mal Ziel von Luftangriffen von Amerikanern und Briten. Am 10. April 1945 erlebte die Stadt den letzten und schwersten Luftangriff im Zweiten Weltkrieg. Dabei kamen etwa 890 Menschen ums Leben. Insgesamt starben bei den Bombardements mehr als 2.300 Menschen. Rund 5.000 Tonnen Spreng- und Brandmunition gingen auf die Stadt nieder. Dabei wurden ungefähr 75 Prozent der Bebauung zerstört.

Entsprechend den Vereinbarungen der Konferenz von Jalta zogen sich die Amerikaner am 30. Juni 1945 aus Westsachsen zurück, und ab 1. Juli nahmen die Sowjets den Rest der ihnen zugesprochenen Besatzungszone in Besitz. Während der sowjetischen Besatzung wurden viele Industrieanlagen als Reparationsleistungen demontiert und in die Sowjetunion gebracht. Ab 1946 begann die Enteignung und Verstaatlichung der Großbetriebe

Zwei kleine Gedenktafeln am ehemaligen Justizgebäude erinnern an die Opfer politischer Verfolgung in der sowjetisch besetzten Zone und an hunderte von Jugendlichen im Alter von 16-17 Jahren, die vom Plauen aus nach 1945 in die Speziallager Buchenwald, Mühlberg, Bautzen oder nach Sibirien geschickt wurden und nach mehrjähriger Haft von dort krank zurückkamen bzw. nicht überlebten.

Am 7. Oktober 1989 begann  in Plauen die erste Großdemonstration auf dem Gebiet der DDR und damit der Anfang vom Ende der Existenz dieses Staates.

Neben der berühmten Plauener Spitze wurde die Stadt auch durch den Karikaturisten Erich Ohser bekannt. Der politische Zeichner wurde in seiner Arbeit durch die Nationalsozialisten stark behindert und zur Verwendung eines Pseudonyms gezwungen. Als E.O. Plauen (nach seiner Heimatstadt) erfand er die Vater und Sohn- Geschichten, die bis heute in aller Welt bekannt und beliebt sind. Seine Abneigung gegen das nationalsozialistische Regime konnte Ohser auf Dauer nicht verheimlichen. Am 22. Februar 1944 wurde er durch seinen Nachbarn Bruno Schultz denunziert. Am 28. März 1944 wurden Ohser und sein Freund Erich Knauf verhaftet. Der Prozess vor dem Volksgerichtshof sollte am 6. April von Roland Freisler eröffnet werden. Erich Ohser erhängte sich in der Nacht vorher.

Dresden 24.3.2016

In  vier Angriffswellen der Alliierten vom 13. bis 15. Februar 1945 starben nach neuesten historischen Untersuchungen  zwischen 22.700 und 25.000 Menschen. Große Teile der Innenstadt und der industriellen und militärischen Infrastruktur Dresdens wurden zerstört.

Am 28. März 1945 erwog Winston Churchill, den Luftkrieg gegen deutsche Städte einzustellen, und distanzierte sich in einem Telegrammentwurf von dessen Ausrichtung:

„Der Moment scheint mir gekommen, wo die Frage der Bombardierung deutscher Städte einfach zum Zwecke der Erhöhung des Terrors, auch wenn wir andere Vorwände nennen, überprüft werden sollte. Sonst werden wir die Kontrolle über ein total verwüstetes Land übernehmen…. Die Zerstörung Dresdens bleibt eine ernste Frage an die alliierte Bombardierungspolitik. … Ich glaube, es ist nötig, dass wir uns mehr auf militärische Ziele konzentrieren wie Öllager und Kommunikationszentren hinter der unmittelbaren Kampfzone, statt auf reine Akte des Terrors und der mutwilligen Zerstörung, wie beeindruckend diese auch immer sind.“

Gesendet wurde am 1. April 1945 jedoch eine Fassung, die betonte, dass weitere Zerstörungen von Wohnräumen und ähnlichem alliierten Interessen nach dem Krieg entgegenstünden.

Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels benutzte die Angriffe zur Propaganda: Die NS-Presse stellte die Bombardierung ab dem 16. Februar 1945 als lange geplanten Massenmord und Vernichtung einer abendländischen Kulturhauptstadt, also als Verbrechen von „Barbaren“ gegen die Zivilisation, dar, um die deutsche Kriegsschuld zu relativieren und eine Opferrolle der Deutschen zu behaupten. Widerstand gegen die angeblich mordbereiten Alliierten sei daher der einzige „Ausweg“ für die Überlebenden.

Nach der Kapitulation besetzte die Rote Armee viele Villen entlang der Elbe. In einem von Ihnen an der Bautzener Straße entstand ein Gefängnis, das für viele Häftlinge der Start in die Gefangenschaft in Sibirien darstellte. Die Gebäude wurden nach Abzug der Russen vom Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) übernommen. Sie zeugen von der Allmacht des Apparats der DDR, dem viele politisch missliebige Menschen rechtlos ausgeliefert waren. Allein in der Dresdner MfS-Untersuchungshaftanstalt waren bis zum Jahr 1989 zwischen 12.000 und 15.000 politische Häftlinge untergebracht. Viele von Ihnen traten nach ihrer Untersuchungshaft für konstruierte Vergehen oder aufgrund von Denunziationen oft langjährige Haftstrafen an.

 

Die Frauenkirche Dresden blickt auf eine tausendjährige Geschichte zurück. Bereits die verschiedenen Vorgängerkirchen waren der Mutter Gottes geweiht und trugen den Namen Frauenkirche. Im 18. Jahrhundert entstand dann der berühmte Kuppelbau George Bährs, der zweihundert Jahre das Stadtbild Dresdens prägte. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche zerstört. Ihre Ruine verblieb als Mahnmal im Herzen der Stadt.

Getreu dem historischen Vorbild und unter weitmöglichster Verwendung des originalen Materials, das exakt an seinem ursprünglichen Platz eingefügt wurde, entstand dank Spenden aus ganz Deutschland und aller Welt zwischen 1993 und 2005 diese besondere Kirche wieder.

Die Wölfe sind zurück

Seit dem 16.3.2016 hat ein Rudel Wölfe aus Bronze  und Eisen den Neumarkt besetzt. Die Kunstaktion will sich dem dumpfen Fremdenhass und dem menschenverachtenden Verhalten einiger entgegenstellen.

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